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Großer Bahnhof am Kaiserbahnhof
Joachimsthal (MOZ) Der Bahnhof für den Bahnhof war mit Bedacht gewählt worden. Ohne Zweifel ist der Kaiserbahnhof die schönste und geschichtsträchtigste Station, an der die ODEG Halt macht.
Gestern Nachmittag feierte das private Eisenbahnunternehmen genau dort ihr fünfjähriges Bestehen für Berlin-Brandenburg.Paris - Berlin - Eberswalde - Joachimsthal und umgekehrt. Ja, die ODEG verbindet. Zweimal umsteigen und der Barnimer ist in der Stadt der Liebe. Oder Frankreichs Staatspräsident wäre in der Schorfheide und könnte hier zur Jagd gehen, wie Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), gestern Nachmittag beim Festakt scherzhaft anmerkte.
Doch der gelegentliche Ausflug macht freilich nicht das Geschäft der ODEG aus. Viele Berufspendler, Studenten und Schüler, gerade auch im Barnim, sind auf die gelbgrünen Triebwagen angewiesen. Gut 3,2 Millionen Fahrgäste zählte das Unternehmen nach eigenen Angaben im vorigen Jahr in Ostbrandenburg. Fünf Linien bedient die ODEG hier, darunter die OE 63 (Berlin - Eberswalde - Joachimsthal).
Laut ODEG-Geschäftsführerin Ute Flügge würde das Unternehmen bei den Kunden vor allem mit einem qualifizierten Personal, Freundlichkeit und Pünktlichkeit punkten. Was Barnim-Landrat Bodo Ihrke nur bestätigen konnte. Die Fahrgäste würden vor allem die Zuverlässigkeit der ODEG schätzen. Das Schienennetz, das im Barnim auch durch die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) bedient wird, trage zur Attraktivität des Landkreises am Rande einer Metropole bei. "Und es ist Touristenzubringer", so Ihrke. Vielleicht noch nicht aus Paris, wohl aber aus Berlin.
VBB-Chef Franz mahnte allerdings auch: Diese Pluspunkte seien gleichsam ein hoher Anspruch für die Zukunft. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass die ODEG 2011/2012 mit dem Gewinn weiterer vier Linien in Brandenburg ihr Streckennetz und die Zugkilometer-Leistung etwa verdoppeln wird. Entscheidend seien letztlich zufriedene Kunden, befand ebenso Reinhold Dellmann, der frühere Verkehrsminister. Das Land gebe jährlich 320 Millionen für den Schienenverkehr aus. Mit diesem Geld gelte es "möglichst viel Leistung zu organisieren". Deshalb sei ein "geordneter Wettbewerb" wichtig.
Nachdem die Honoratioren am Regioshuttle "Schorfheidestadt Joachimsthal" das Jubiläumslogo "5 Jahre ODEG in Berlin-Brandenburg" enthüllt hatten, gab es ein kleines Programm durch der Schüler der Joachimsthaler Grundschule. Und auch ein Geburtstagsgeschenk wurde überreicht. Nicht aber an das Geburtstagskind, sondern von selbigem. Die ODEG-Geschäftsführung spendierte dem Joachimsthaler Heimatverein für das Projekt Kinderhörspiele den Erlös aus der Versteigerung von Fundsachen: 660 Euro.
Am Morgen hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) die ODEG wie auch die NEB bestreikt. Sie fordert von den Privaten den Abschluss eines Tarifvertrages auf dem Niveau der Deutschen Bahn. Derzeit würden die Löhne 25 bzw. 30 Prozent darunter liegen. Zudem monierte die GDL, dass die ODEG ihr Firmenjubiläum ohne die Beschäftigten feiere.
Trotz Arbeitskampfes und Kritik zeigte sich die ODEG-Geschäftsführung aber am Nachmittag in bester Laune. "Ich bin heute früh selbst einen Regio- shuttle gefahren", berichtete Prokurist Jörg Kiehn. Im Übrigen sei das Unternehmen verhandlungs- und gesprächsbereit. Der Festakt in Joachimsthal sei ein Dankeschön an Geschäftspartner. Selbstverständlich gebe es auch regionale Mitarbeiterfeste und Präsente für die Kollegen, so Kiehn.
Von Viola Petersson
Mittwoch, 25. November 2009
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