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Tagungen und Hörspiele unterm schwarzen Adler

Joachimsthal (MOZ/vp) 175 Jahre Eisenbahn in Deutschland. Und Joachimsthal strebt dem Abschluss der Sanierungsarbeiten im historischen Kaiserbahnhof entgegen. Derzeit wird die Innenmalerei restauriert.

"Wir freuen uns, hier mitwirken zu dürfen", sagt Malermeister Bernd Hübner aus Britz. Und Thomas Abraham, Chef der gleichnamigen Tischlerei aus Joachimsthal, pflichtet ihm bei. Der Kaiserbahnhof - das sei kein gewöhnlicher Auftrag. In der Heimatstadt seine Spuren hinterlassen zu können, das sei schon etwas Besonderes, so Abraham. Erst recht bei einem solch geschichtsträchtigen Objekt. "An einem Denkmal wie diesem zu arbeiten, das macht einfach Spaß", ergänzt Bernd Hübner, der seit dem Sanierungsbeginn dabei ist.

Überraschungen eingeschlossen. Zumeist sind die - was bei einem alten Haus wiederum nicht verwundert - weniger angenehm. Aber es gibt auch die positiven. So wie jetzt, bei der Restaurierung der Innenmalerei. Hübner hat diese bisher unter mehreren Farbanstrichen verborgenen Zeichnungen freigelegt. Das Ergebnis versetzt den Betrachter in wahres Erstaunen. Denn: Die Malerei ist vor allem im Bereich der beiden großen Fenster im Kaisersaal sehr gut erhalten. Mehr noch: Im benachbarten Raum entdeckten Hübner und Chefrestaurator Wieland Geipel, der die Arbeiten fachlich begleitet, auf der Holzdecke eine Malerei, die unter anderem den schwarzen Adler, das Wappen von Kaiser Wilhelm II, zeigt. "Und es ist wirklich wunderbar zu sehen", gerät selbst Hübner ins Schwärmen. Vorher sei die Holzdecke durch zig Schichten Ölfarbe und Folienholztapete verdeckt gewesen, sagt Hübner. "Jeder Tag bringt neue Erkenntnisse."

Während die Fachleute gemeinsam mit der Denkmalbehörde ein Konzept zur Restaurierung erstellen, arbeitet die Tischlerei Abraham Vorsatzfenster auf, bessert Schindeln im Foyer aus Die Firma Stationova GmbH, seit 2009 offiziell Nutzer des Kaiserbahnhofs, rüstet für Tagungen und Konferenzen die entsprechende Beleuchtung nach. Und die Stadt entwickelt eine kleine Ausstellung, die künftig die Tourismus-Information im Bahnhof bereichern soll. "Wir wollen dort über die Kaiserfamilie informieren sowie über Hubertusstock, wo der Kaiser ja zur Jagd ging, aber auch über das Eisenbahnstreckennetz", verrät Christine Nieter, Tourismusverantwortliche im Amt. Sogar die Vorführung von Kurzfilmen soll technisch möglich sein. Der Aufbau eines Tresens sei ebenfalls geplant, so dass sich Touristen ein ansprechendes Ambiente bietet. Um die Besucher wird sich wieder Mirjam Kracht, über das Kommunal-Kombi-Programm angestellt, kümmern.

"Die Malerei selbst ist das Wenigste", erklärt Bernd Hübner. Das Aufwendigste seien halt die Vorarbeiten. Und: "Das Kaiserzimmer wird uns noch viel Arbeit machen", ahnt der Malermeister. Ungeachtet dessen ist es das Ziel aller, den Kaiserbahnhof zu Ostern wieder für Besucher zu öffnen. "Selbst wenn das hier zum Teil noch Baustelle sein sollte", sagt Betreiber Volkmar Wagner. Die Fertigstellung sei dann für Pfingsten geplant.

Gefördert wird diese Sanierungsetappe vom Landesamt in Prenzlau. Inclusive Eigenanteil der Stadt stehen jetzt 110 000 Euro zur Verfügung. Seit dem Kauf des Kaiserbahnhofs 2003 hat die Schorfheidestadt einige hunderttausend Euro in das Denkmal investiert. Der Hüllensanierung folgten die Innenrenovierung sowie die Gestaltung der Außenanlagen. Mit der Restaurierung der Innenmalerei wird die Sanierung im Wesentlichen abgeschlossen.

Seit 2006 ist der Kaiserbahnhof unter Kunst- und Kulturinteressierten auch als Hörspielbahnhof bekannt. Während des Sommers können Besucher Lesungen genießen sowie Geschichten lauschen. Die Hörspielsaison 2010 wird am 9. Juli mit dem Schauspieler und Schriftsteller Jochen Senf eröffnet. Der Kaiserbahnhof war 1897/1898 im Zusammenhang mit dem Streckenausbau Britz-Joachimsthal-Templin im norwegischen Landhausstil errichtet worden.


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