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Die pädagogische Instanz auf den Lehmbergen
Joachimsthal (MOZ) Am 1. September 1959 war die "Georg-Büchner-Schule" auf den Lehmbergen eröffnet worden. In jenem Jahr drückte Andreas Krenzien selbst die Schulbank in Joachimsthal - als Drittklässler. Heute steht er nicht nur selbst vor der Klasse, Direktor Krenzien ist auch der dienstälteste Lehrer am Hause.
"Ich gehöre zu einer beinahe vom Aussterben bedrohten Spezies", sagt Andreas Krenzien scherzhaft. Jener Art Lehrer, die Zeit ihres Berufslebens an einer einzigen Schule unterrichtet haben. Als 21-Jähriger hat der Joachimsthaler 1972 auf den Lehmbergen angefangen. Und seitdem ist er dort tätig. Ohne Unterbrechung. Eine Biografie, die aus heutiger Sicht Seltenheitswert hat."1957 wurde ich in Joachimsthal eingeschult", erzählt Andreas Krenzien, der in der Schorfheidestadt aufgewachsen ist. "Und zwar in Grimnitz, im Gebäude der heutigen Kommunität." Hauptsitz der Schule war damals in der Schulstraße. "Aber das Haus war schon stark baufällig." Und zu klein. So gab es seinerzeit sieben oder acht "Nebenstellen" in der Stadt. Unter anderem in der Menzelstraße und am Schützenplatz. "Sport hatten wir beispielsweise im Heidekrug-Saal." Im Sommer 1957 wurde schließlich - nach monatelangen Diskussionen um den Standort und wahrscheinlich auf Druck der Eltern sowie der Lehrer - der Grundstein für einen Schulneubau auf den Lehmbergen gelegt. 1959 ging dieser mit dem Mitteltrakt in Betrieb. Turnhalle, Seitenflügel, Aula folgten bis 1962. Da war der Schüler Andreas Krenzien aber schon nach Eberswalde gewechselt. "Meine Eltern waren dorthin umgezogen."
Nach dem Abschluss der 10. Klasse besuchte Krenzien in Potsdam einen Vorkurs und nahm sogleich ein Studium an der Pädagogischen Hochschule auf. Krenzien wurde Lehrer für Mathematik und Physik. Er trat in die Fußstapfen des Vaters, der ebenfalls Pädagoge war. "Ich wollte immer Lehrer werden. Nein, einen anderen Wunsch gab es nie." Auch nicht in puncto Fachkombination. "Mathe, Physik haben mir irgendwie gelegen."
Mit dem Staatsexamen in der Tasche kehrte Krenzien denn auch sofort in seine Heimat zurück. "Ich wurde in Joachimsthal eingesetzt." Als Fach- und als Klassenlehrer. "Ich bekam gleich eine 6. Klasse." Zu jener Zeit lernten in Joachimsthal etwa 750 Schüler - von der 1. bis zur 10. Klasse. Wobei einige Klassen auch damals "ausgelagert" waren. "Acht Klassen waren immer unten", sagt Krenzien und meint damit den Standort Joachimsplatz. Trotz des Neubaus sei die Schule eigentlich schon kurz nach der Eröffnung zu klein gewesen.
Das änderte sich erst nach der Wende. Als die Schülerzahlen drastisch zurückgingen. Weshalb Joachimsthal auch die Oberstufe (7. bis 10. Klassen) verlor. "2004 haben wir hier die letzte 10. Klasse verabschiedet", erinnert sich Krenzien, der seit 1991 auch Schulleiter ist. Die "Außenstelle" am Joachimsplatz konnte schon vorher aufgegeben werden. Heute hat die Schule den Status einer Grundschule. Etwa 240 Mädchen und Jungen drücken auf den Lehmbergen die Schulbank und werden dabei von 19 Lehrern unterrichtet.
Als die wichtigsten Errungenschaften nach der Wende bezeichnet Krenzien die Einführung der sogenannten Flex-Klassen, die Einrichtung eines Computerkabinetts sowie einer Schülerküche. Und inzwischen ist es auch wieder eng geworden in dem Haus. Nicht nur wegen des privaten Gymnasiums, das vor wenigen Jahren mit eingezogen ist, sondern auch wegen der Ganztagsangebote, mit denen die Schule seit kurzem aufwartet. Mit dem Umzug des Gymnasiums in den benachbarten Neubau werde sich die Situation aber entschärfen.
Und was hat sich am Unterricht selbst verändert? "In Mathematik gibt es jetzt den Schwerpunkt Stochastik, Wahrscheinlichkeitslehre. Die spielte früher eine eher untergeordnete Rolle." Medienerziehung, vor allem die Arbeit am Computer, sei heute Teil fast aller Unterrichtsfächer. Überhaupt habe sich die Stundentafel stark verändert, leider nicht immer zugunsten der Naturwissenschaften, bedauert der Mathe-/Physik-Lehrer. Ebenso falle auf, "dass die Kinder heute oft unsportlicher sind als früher".
Ansonsten aber sei vieles heute offener und lockerer. Im Lehrer-Kollegium, aber auch im Verhältnis zu den Eltern sowie zu den Schülern. Die Schule habe sich geöffnet. Einen generellen Autoritätsverlust, wie ihn viele Lehrer andernorts beklagen, kann Krenzien nicht feststellen. "Viel kommt natürlich auf das Elternhaus an." Er jedenfalls habe noch immer viel Freude am Unterrichten. Und zu seinen Kollegen gehören inzwischen auch einstige Krenzien-Schüler. "Zwei aus meiner allerersten Klasse", erzählt der Direktor stolz.
Von Viola Petersson
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